Vater Staat ist seit der Finanzkrise der beste Freund von Unternehmen. Mit zahlreichen Konjunkturpaketen versucht er, die angeschlagenen Unternehmen zu retten, schießt Gelder in diese und hofft darauf, dass das alles etwas bringen würde. Doch was können die staatlichen Finanzspritzen eigentlich tatsächlich einbringen? Wird es möglich, mit Hilfe des Staates Arbeitsplätze zu sichern, Unternehmen zu halten? Nach Milliarden, die in die Banken- und Automobilbranche gesteckt wurden, geht es nun weiter.
Wenn eine der größten Banken in Deutschland eine andere aufkaufen will und bemerkt, dass ihre Gelder dazu nicht ausreichen, dann kommt in glänzender Ritterrüstung Vater Staat daher und unterstützt das Vorhaben mit riesigen Finanzspritzen. Den bekannten Autobauern in Deutschland geht es schlecht, damit sie von ihrem Mutterkonzern nicht einfach aufgegeben werden, will der Staat sich jetzt auch hier nochmals einsetzen.
Das Stichwort hierfür lautet: „Befristete staatliche Minderheitsbeteiligung“. Bei vielen Bürgern werden jetzt die Alarmglocken schrillen, gehen wir wirklich den Weg zurück in die ehemalige DDR? Gibt es bald den VEB Automobilbau, wie wir ihn noch vor 20 Jahren kannten und der einer der größten Arbeitgeber in der ehemaligen DDR war? Kann der Staat sich wirklich an Unternehmen beteiligen und weiterhin für eine freie Marktwirtschaft sorgen? Und sollten es dann nicht alle Unternehmen sein, die unterstützt werden, also durchaus auch kleinere Betriebe, die genauso mit der Finanzkrise zu kämpfen haben?
Der Schrei nach Gerechtigkeit wird in Deutschland dieser Tage laut und stößt auf taube Ohren. Es gilt Tausende von Arbeitsplätzen bei einem einzelnen Unternehmen zu sichern. Im Gegensatz dazu stehen jedoch noch viel mehr Arbeitsplätze, die bei kleinen Betrieben bestehen. Dieser größere Teil an Arbeitsplätzen könnte vermutlich mit deutlich geringeren finanziellen Mitteln gesichert werden, doch scheinbar kommt es der Regierung doch weniger auf die Erhaltung der Stellen an, als vielmehr auf den Erhalt eines Vorzeigeobjektes. In den eigenen Reihen der Regierung ist mittlerweile aber auch ein Streit entbrannt, während die einen diese und ähnliche Maßnahmen durchaus für legitim halten, sind die anderen völlig verstört von einem solchen Rückschritt, denn schaut man sich die ganze Sache einmal näher an, wird schnell klar, dass wir zurück gehen, in die Richtung der ehemaligen DDR. Dass ein solcher Staat dauerhaft nicht existieren kann, sollte dabei jedem klar sein.
Doch auch die Gerechtigkeit fehlt. Denn nicht nur die Autobauer leiden unter dieser Krise, sondern genauso die Hersteller von Bekleidung, Tintenpatronen, Schmuck, die Reiseveranstalter und viele andere Unternehmen. Diesen wird jedoch nicht oder kaum geholfen, denn der Staat sieht in einem Unternehmen nur etwa 10 oder 20 Angestellte, diese Arbeitsplätze scheinen in den Augen der Politik nicht sicherungswürdig zu sein, obwohl sie letztlich deutlich günstiger gesichert werden könnten, als bei den großen Unternehmen. Sicher wäre es ein großer Verlust, würde die Automobilindustrie aus Deutschland verschwinden, doch warum sollte man Unternehmen helfen, die im Endeffekt schlicht und ergreifend nicht wirtschaften können. Die Gelder, die hierbei angelegt werden, könnten für die Förderung neuer Ideen, neuer Unternehmen vielleicht deutlich besser angelegt werden. Sicher benötigt der Aufbau eines neuen Unternehmens mehr Zeit, als die Rettung bestehender Arbeitsplätze, allerdings würde man mit dieser Variante wohl weiter in die Zukunft blicken, denn eine langfristige Lösung gibt es durch staatliche Unterstützung nicht. Gut zehn Milliarden Euro wurden Ende des vergangenen Jahres von USA an Automobilkonzerne verteilt. Bereits jetzt ist die Rede von einem Nachschuss über vier Milliarden Euro, in einem halben Jahr wird wieder Geld benötigt. Das Ganze entwickelt sich schneller, als man glauben mag zu einem Fass ohne Boden. So bleibt es wohl durchaus fraglich, ob sich die Investition der Steuergelder auf diese Art und Weise wirklich lohnen wird.
Die Frage bleibt jedoch spannend, werden wir bald wieder einige große VEB, also volkseigene Betriebe haben oder bleibt die freie Marktwirtschaft in Deutschland dennoch erhalten? Diese Frage wird sich voraussichtlich erst in den nächsten Wochen und Monaten klären können, die Beobachtung der Entwicklungen alleine wird jedoch spannend bleiben.
