Depressionen. Dieses Wort klingt so harmlos, für das, was sie bewirken können. Robert Enke war ein prominenter Fußballspieler, deswegen nimmt die Welt großen Anteil an seinem Schicksal. Zahlreiche Schicksale werden nicht bekannt, weil sie im Verborgenen stattfinden, außerhalb des öffentlichen Interesses. Wie ja bekannt ist, hat sich der Nationaltorhüter aufgrund seiner schweren Depressionen das Leben genommen. Die Welt hielt inne, als im Stadion von Hannover 96 die Trauerfeier in würdevollem Rahmen zelebriert wurde. Es bleiben seine Frau und die kleine Adoptivtochter zurück, aber auch Kollegen und Fans, bei denen er eine Lücke hinterlässt.
Selbstmord ist oft der letzte Ausweg für Menschen, die an Depressionen erkrankt sind. Nicht immer haben diese Symptome einen direkten Auslöser, jedoch geht meistens ein Erlebnis oder eine Lebensphase voraus, bis es zu Depressionen kommt. Das Problem bei dieser Krankheit ist die Gesellschaft. Bis heute werden Depressionen belächelt, mit dem Spruch bedacht, man könne sich doch wohl „zusammenreißen“. Man traut sich nicht, seine Krankheit öffentlich zu machen, weder in der Familie oder am Arbeitsplatz, oder, wie bei Robert Enke, vor Presse, Fans und Sportkollegen. Dabei wäre es so wichtig, offen mit der Erkrankung umzugehen. Die unbefriedigende Lebenssituation zu ändern: Das schafft man nur, wenn man auch Hilfe hat, beziehungsweise annimmt. Diese Hilfe können Medikamente sein, aber auch ein Psychologe und der Aufenthalt in einer Klinik. Diesen hatte Robert Enke aus Angst vor der öffentlichen Reaktion verweigert.
Sicher ist der Weg lang, vom Beginn der Depressionen bis zum scheinbar letzten Ausweg Selbstmord. Robert Enke hat es nicht geschafft, sich aus dem Kreislauf zu lösen; er nahm sich das Leben. Wird es jetzt endlich leichter für die Gesellschaft, Depressionen als ernsthafte Krankheit zu akzeptieren? Dann hätte der, für viele Menschen sinnlos erscheinende, Tod von Robert Enke wenigstens etwas bewirkt.
