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Schweigen in einer Ehe

Dezember 27th, 2009 · No Comments

Nach einigen Jahren, die man als Ehepaar zusammen verbracht hat, kommt es vor, dass sich eine gewisse Gewohnheit eingeschlichen hat. Der Alltag hat die Eheleute so sehr in Beschlag genommen, dass sie es nicht schaffen, sich daraus zu lösen, und sich darauf zu besinnen, wie sehr man sich doch eigentlich liebt und wie man doch am Anfang der Ehe darauf besessen war, jede freie Minute zu gemeinsamen Gesprächen und Unternehmungen zu nutzen. Die gesprochenen Worte reduzieren sich auf Planung und Organisation, auf die Kinder und das, was eben noch erledigt werden muss. Jeder Partner ist in seinem Leben und seinen Pflichten gefangen, und der andere toleriert dies stillschweigend.

Während die Frau in der Küche werkelt, sitzt der Mann vor dem Fernseher. Auch die Abende, wenn die Kinder im Bett sind, der Hund seinen letzten Spaziergang genossen hat, und eigentlich Zeit wäre, die Partnerschaft auszuleben, sitzt man sich schweigend gegenüber. Noch schlimmer ist es, wenn nicht einmal dieses schweigende Nebeneinander funktioniert, sondern kaum noch Gemeinsamkeiten existieren. Während der eine stur seine Dinge im Fernsehen ansieht, sitzt der andere resigniert am Computer, wo er mehr oder weniger lustlos im Internet surft, um für die Schwiegermutter zum Geburtstag ein Geschenk zu suchen.

Oftmals fällt es den Betroffenen gar nicht mehr auf, wie sehr sie sich schon voneinander entfernt haben, weil sie es aufgegeben haben, sich um die Partnerschaft zu sorgen, diese zu hegen und zu pflegen. Sicherlich ist es nicht einfach, sich neben dem Beruf, der Sorge um Heim, Hof und Kinder und oft auch den finanziellen Problemen, wirklich ausreichend Zeit nehmen zu können, um eine Beziehung am Leben zu erhalten. Auch ist jedem Menschen klar, dass nur wenige Paare nach einigen Jahren noch so frisch verliebt sind, wie am Beginn ihrer Partnerschaft. Dennoch sollte das tiefe Vertrauen, die innige Beziehung zwischen zwei Eheleuten, auch nach Jahren des Zusammenlebens noch Zeit für einander möglich machen, beziehungsweise für Gesprächsstoff sorgen können.

Statt dass nun jeder der Partner sich in seinem Schneckenhaus verkriecht und stillschweigend akzeptiert, dass das große Schweigen Einzug hält, sollte jeder der beiden versuchen, aus diesem Kreislauf auszubrechen, um sich darauf zu besinnen, weswegen man einst geheiratet hat. Nur so hat man die Chance, ohne Verbitterung und Enttäuschung die Tage zu nutzen. Sicher muss man Abstriche machen, wenn es um die Verwirklichung von Träumen geht, gerade wenn man Kinder hat und ein Haus abzahlen muss; dennoch ist es durchaus möglich, neben all den Verpflichtungen trotzdem noch miteinander glücklich zu sein.